Die Sache mit den Energien

Es ist vollbracht: die erste, und - wie ich finde - bei weitem Schönste Fashion Messe in Deutschland liegt hinter uns. Aber ganz reibungslos lief es dieses Mal nicht wirklich...

Eigentlich freue ich mich ja jedes halbe Jahr wieder auf diesen Trip in die Hauptstadt – nicht zuletzt, weil es ein Wiedersehen mit vielen Freunden und netten Schmuck-Kolleginnen ist, dieses Mal stand alles aber schon vor Messeantritt unter einem energetisch seltsamen Stern.

Kurz vor Abreise wollten wir im Atelier noch die letzten Online-Bestellungen fertig machen, als unser Drucker plötzlich nur noch schwarze Blockstreifen druckte. Da die Zeit zu knapp war in die Innenstadt zu düsen um einen neuen Drucker zu organisieren haben wir schnell alles auf den Stick gezogen um es um die Ecke im Copyshop auszudrucken. Dort angekommen bemerkte ich, dass ein PDF fehlte, was ich kurzerhand vom Laptop ziehen wollte, mit der Folge, dass sich der Laptop-Bildschirm verdunkelte und das ganze Ding einfach nicht mehr wiederzubeleben war. Grrrr.......

Zuhause angekommen musste noch schnell eine Ladung Wäsche für Berlin gewaschen werden, doch auch hier sollte ich lernen, dass gerade alles, was einen Stecker besitzt, gegen mich ist: nach einer halben Stunde Waschen blieb die Maschine stehen, bis oben voller Wasser. Klarer Fall für mühsames Wasser-ablassen – Schüssel für Schüssel. Ruhig bleiben. 

Und dabei vielleicht ein klein wenig überlegen, ob sich die große Anspannung, der viele Stress – die große Energie, mit der man sich kurz vor so einem Event durchs Leben bewegt in irgendeiner Weise doch auch auf sein Umfeld abfärbt...

In solchen Situationen fühle ich mich nämlich manchmal wie viel zu sehr aufgeladen, sodass ich allem, was ich anfasse, einen Stromschlag erteile – und das wars dann.

Kaum erwähnenswert also, dass ich mitten in der Nacht vor Abreise durch ein seltsam lautes Surren geweckt wurde, was sich als Defekt der Spülmaschine entpuppte.

Es half ja alles nichts – am nächsten Morgen haben wir uns mit unserer neuen Kollektion und einer großen Portion frischen Smoothies am Bahnhof getroffen um nach Berlin zu fahren.

Zunächst hat nur meine Kollegin Hannah über ein leichtes Kratzen im Hals gejammert, mich selbst sollte dieses Kratzen – bis hin zu richtig geschwollenen Mandeln und Dauerbibbern – die ganzen drei Messetage begleiten. Hannah hat sich das erste Kratzen mit einer fetten Berlin-Party bis in die Morgenstunden einfach weggefeiert;-)

Auf dem Premiumgelände hatte unser Messestand eine tolle, präsente Lage, mitten im Hauptgang, in der Nähe des Eingangs, doch leider strömte genau durch diese Eingangstür entweder brüllend warme Heizungsluft, oder ein derartiger Durchzug, dass wir komatös schläfrig wurden oder uns sofort wieder in unsere Mäntel werfen mussten.

Und am Ende des Tages wurde mir leider auch nach einem wirklich göttlichen Essen mit alten Freunden bei „Osmans Töchtern" nicht mehr warm an diesem Tag.

Auch der erste Messetag stellte sich als sehr unüblich dar: die Messe blieb relativ leer. Normalerweise drängt sich am ersten Tag alles durch die Gänge, die dann von Tag zu Tag immer leerer werden. Dieses Mal: alles anders.

Kränkelnd zieht sich so ein eher langweiliger Tag ohne Frischluft , dauer-stehend, mit greller Messe-Beleuchtung und lauter Musik ja auch riiiiichtig in die Länge!!! Nach fast elf Stunden haben wir uns jedenfalls ziemlich auf dem Zahnfleisch vom Gelände geschlichen.

Auch an diesem Abend hat die fantastische heiße Suppe mit Wasserkastanien, Koriander und Algen nicht wirklich für innere Wärme gesorgt.

Die weiteren Messetage wurden zwar etwas besser, aber insgesamt war klar: es ist besser, wenn das alles vorüber ist. Die Stimmung der Einkäufer ist schlecht, die Anspannung nach schwachen Jahren im Einzelhandel groß. Kurz: Ich wollte einfach nur weg von diesen Vibes, weg aus Berlin, einen dicken Strich unter alles ziehen und die Sache abhaken. Ging aber nicht!

Schon während des Abbaus haben einige Kolleginnen und Kollegen berichtet, dass Züge und Flüge aufgrund des Sturms ausfallen und die Heimreise für alle ungewiss sei. Man will es ja nicht wirklich glauben, dass man lediglich 1 ½ Zugstunden weg von daheim keine Chance mehr hat zurück zu kommen – aber genau so war es.

Der gesamte Fernverkehr wurde gestrichen und kaum hatten wir alle eingesehen, dass dies tatsächlich unabdingbar ist gab es auch in ganz Berlin keinen einzigen Mietwagen mehr! Die Zahl der potentiellen Hotels schrumpfte ebenfalls von Anruf zu Anruf. Oh Gott! Hier hatten wir dann aber doch Glück – und so haben wir mit unseren ganzen Koffern und Ständern durch „Friederike“ ins Hotel gekämpft, dort alles abgeworfen und sind in ein tolles Restaurant gefahren – mit wunderbaren Cocktails, einem großartigen Essen und richtig netten Begegnungen von ebenfalls „Gestrandeten", die wir sonst niemals gemacht hätten.

Der Morgen danach zeigte online keine weiteren Verzögerungen bei der Bahn, sodass ich mit meinen neuen Freunden gutgelaunt gegen neun am Bahnhof eintraf. Huch – ungewöhnlich voll!!! Vor Ort mussten wir feststellen, dass leider gar nichts ging: keiner der Züge fuhr, noch immer war es unmöglich einen Mietwagen zu ergattern und alles blieb ungewiss.

Nach knappen zwei Stunden habe ich mich dann mit meiner neu gewonnenen Freundin über Hannover auf den Weg nach Hamburg aufgemacht. Es war eine längere Bahnfahrt. Im Stehen. Mit inspirierenden Gesprächen, Gratis-Wasser von der Bahn und Schokolade vom Neben-Steher. Und am Ende haben wir es geschafft. 1 1/2Tage zu spät, fix und fertig – aber irgendwie hatte diese ganze Reise keinen anderen Weg verdient.

Und wieder war es der Beweis: man kann sie eben nicht aufhalten, die „bad vibes“, wenn sie irgendwo drin stecken – man muss die Welle zu Ende surfen, mit dem Wissen, dass die nächste – die Gute –gleich danach anrollt.

Und kaum zurück waren die Wogen geglättet – es kamen positive Anrufe, Mails, Aufträge, Menschen, Ideen. Vielleicht hätte ich sie gar nicht in diesem Maße dankbar bemerkt ohne die harte Prüfung der Tage zuvor.