Holy Business

Eine wirklich wunderbare Begegnung in der heiligen Stadt Haridwar habe ich euch bislang vorenthalten: die mit einem der besten Mala-Knüpfer Indiens! 

Nach Haridwar reiste ich mit nur einem Ziel: eine Weile im dortigen Ashram zu bleiben, zur Ruhe zu kommen, um alle Dinge meines normalen Alltags zu vergessen. Dass ich ausgerechnet dort auf eine wirklich wichtige GESCHÄFTSbeziehung stoße hätte ich als allerletztes vermutet. 

An einem heißen Nachmittag saß ich mal wieder mit der wunderbaren achtzigjährigen Schwester Matajis im Schatten ihres Ashram-Zimmers, wir tranken heißen Herbal Tea, sie flickte eine orangefarbene Tunika, die sie ein paar Tage zuvor erst gekauft hatte. Den Riss hatte sie beim Kauf gar nicht bemerkt aber sie nahm es mit einem Lächeln und meinte, das gebe dem Stück seine persönliche Note, statt sich zu ärgern. Nichts anderes hätte ich erwartet.

Mit ihren hüftlangen, grauen Dreadlocks, stets orangefarben gekleidet, ihren leuchtend grün-grauen Augen erzählte sie mir auch an diesem Nachmittag faszinierende Geschichten ihres bewegten Lebens, das sie vor vielen Jahren von Deutschland nach Indien und schließlich nach Frankreich führte. Nun war sie mal wieder für ein paar Wochen in den Norden Indiens gekommen, um bei ihren drei wunderbaren Enkeln – und auch in der Nähre ihrer bereits vor vier Jahren gegangenen Schwester - im Ashram zu weilen.  

Trotz ihres spirituellen, in großen Teilen sehr asketischen Lebens habe ich gleich bemerkt, dass sie ein großes Herz für schöne Kleidung und besonderen Schmuck hat. Sofort hatten wir also eine gemeinsame Leidenschaft gefunden;-) Sie erzählte mir viel über die seltene indische Emerald Jade, die sie - wunderschön schlicht gefasst – an ihrem Finger trägt. Wie ich liebt sie besonders grüne Steine! Sie erzählte mir ganz versonnen von einem wunderschönen, großen, seltenen Smaragd, den ihre Schwester stets am Finger trug, und  darüber, wie sie sich durchsetzte, dass er ihr nicht abgenommen wurde, als sie nach ihrem Tod der Ganga übergeben wurde.

Sie erzählte mir so detailgenau von großen, zart-grünen Jade-Ohrhängern, die sie vor mehreren Jahrzehnten geschenkt bekommen hatte, jahrelang trug, und die plötzlich verschwunden waren, dass ich sie mir bildhaft vorstellen konnte. Und dann zeigte sie mir all ihre wunderschönen Edelstein-Malas! Natürlich kennt sie die Wirkung jedes einzelnen Steines und glaubt fest daran. So wählt sie häufig je nach körperlicher und geistiger Verfassung des Tages genau die, die sie gerade braucht. Fast alle diese traumhaft schönen Stücke hat ein ganz besonderer Mala-Knüpfer hergestellt. Ich müsse ihn unbedingt kennenlernen sagte sie – und dessen war ich mir ebenfalls sehr sicher! 

In den nächsten Tagen setzte ich mich also in eine Rikscha und ließ mich nach Haridwar fahren. Zwischen all den kleinen, kunterbunten Geschäften hätte ich dieses Paradies wahrscheinlich niemals entdeckt. Der Eingang ist schmal und unscheinbar, im inneren eröffnet sich jedoch eine Edelstein-Oase! Die Wände bis unter die Decke voller Stein-Stänge, Muscheln und Götter-Figuren, große Tresore mit den wertvollsten Kostbarkeiten, ein langer „Verkaufstresen“ in Schienbeinhöhe und davor eine große Kissenlandschaft, auf der die Kundschaft Platz nehmen kann. Dazu tiefenentspannte Frauen und Männer im Schneidersitz, die in Windeseile Malas knüpfen – das Fadenende am großen Zeh befestigt. WOW!!!! Es war klar, dass ich hier so schnell nicht mehr gehen würde. 

Nach dem ersten Kennenlernen des „Mala-Meisters“, einem köstlichen Chai und leckeren Keksen begann ich ein paar Entwürfe zu machen. Wie in Trance suchte ich mir  stundenlang Edelsteine, Sandelholz-und Rudrakscha-Perlen, Quasten- und Bandfarben zusammen – bis ich „meine Malas“ fertig entworfen hatte. Gemeinsam zeichneten wir sie auf und er versprach mir die Samples in den nächsten Tagen im Ashram vorbei zu bringen. Wie aufregend und wie wunderbar – Malas aus der heiligen Stadt Haridwar! Gefertigt unter solch herrlichen Bedingungen, Perle für Perle mit bestem Karma versehen.  

Und was für eine tolle Art der Zusammenarbeit: wenige Tage später kam mein „Mala-Meister“ mit dem Motorrad im Ashram vorbei, zeigte mir in aller Ruhe auf der schattigen Veranda die Samples, bleib auf einen Chai und ich bezahlte im Voraus per mitgebrachtem Kartenlese-Gerät meine Bestellung.

 

Das Paket aus Indien erreichte mich kurz nach meiner Ankunft in Deutschland und der Duft des Sandelholzes erfüllt seither unser ganzes Atelier. Wir können uns kaum satt-riechen daran! Die Malas sind ein Traum – man spürt ihr gutes Karma und ihre liebevolle Fertigung. Für mich sind sie aber weitaus mehr: eine Erinnerung an meine besondere Zeit in Haridwar, eine Verbindung mit diesem großartigen Land, aber auch ein Grund öfter mal die Handbremse zu ziehen, um nicht in den „deutschen Stress“ zurück zu fallen, sondern die Dinge ruhiger anzugehen – wie mich das die Menschen in Indien gelehrt haben. 

Nun werden die Ketten von uns noch ein wenig weiter verarbeitet, sodass sie zu echten „hoffnungsträgern“ werden. Und dann wollen wir sie euch natürlich nicht vorenthalten!

Ob Yogi oder nicht -  sind überzeugt, dass auch ihr ihre Besonderheit und Magie spüren könnt und euch ebenso daran erfreuen werdet. Schmuckstücke (natürlich auch Kleidungsstücke und andere Dinge!), die auf eine solche Weise hergestellt werden, geben ihr gutes Karma an den Träger ab – sie versorgen ihn mit einer positive Energie, während Billigware genau das Gegenteil macht. Wer es erlebt hat und daran glaubt möchte nichts anderes mehr. Alles ist im Fluss – alles spielt zusammen. Die Dinge, die wir tun, aber auch die Dinge, mit denen wir uns umgeben. Das ist schon immer unser „hoffnungsträger-Grundsatz“ – und nun konnten wir ihn bis in eine heilige Stadt Indiens spinnen. 

Freut euch also schon einmal. Ein wunderbares Wochenende wünschen wir euch!

Hari OM.