Inner smile

Wie selten ist es geworden, dass da dieses Kribbeln ganz tief drin zu spüren ist? Das innere Grinsen gar nicht mehr aufhören mag und selbst die kältesten Tage plötzlich irgendwie eine Wärme ausstrahlen?

Ich merke gerade: viel zu selten! Aber seit einigen Wochen ist es mal wieder so - und es kribbelt von Tag zu Tag mehr. Noch genau eine Woche und ich sitze im Flieger nach Indien – ganz allein. Auf dem lang ersehnten Weg in einen Ashram im Norden Indiens. Ich kann euch gar nicht sagen wie sehr ich mich freue! Die Ruhe, die Konzentration auf mich und mein Yoga, die Wärme (sorry, ich muss es loswerden: zwischen 28 und 31 Grad sind momentan vorausgesagt – und jeden Tag strahlt da eine dicke Sonne!!). Aber auch das Abenteuer, das Ungewisse, das Unerwartete!

Zeit meines Lebens bin ich viel gereist – aber wenn ich ehrlich bin habe ich meist diejenigen Reisen, die über Europas Grenzen hinweggeführt haben,  als „echte Reisen“ empfunden. So schön es ohne Zweifel auch auf unserem Kontinent ist – fremdere Kulturen ziehen mich einfach noch mehr in ihren Bann. Und Indien – ja INDIEN!!! – liebe ich durch und durch: diese Farben, diese Düfte, diese Pracht! 

Aber das Allerschönste für mich in diesem Moment: mich endlich mal wieder vollkommen all diesen Dingen hingeben zu können. Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit alleine unterwegs zu sein, keine Kinder, die einfach immer im Vordergrund stehen und mit deren Augen ich normalerweise alles zuerst betrachte, bevor ich meine Eigenen darauf richte. Niemand, der mich wegzieht, wenn ich stundenlang bestickte Stoffe begutachte, mich in alten Schmuckstücken verliere, Märkte durchsteife. 

Denn auch dafür habe ich Zeit eingeplant: natürlich ist „hoffnungsträger“ im Gepäck und ihr könnt euch sehr, sehr sicher sein, dass ich mit einem dicken Übergepäck wieder in Hamburg landen werde, um  voller Inspiration neue Schmuckstücke mit den schönsten neuen Materialien zu entwerfen.

Aber zunächst erwartet mich das Leben im Ashram.  Das Wort „Ashram“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet eigentlich „Ort der Anstrengung“.  Als ich meiner Mama vor einigen Wochen erzählt habe, wie der Tagesablauf im Ashram sein wird hat sie diese Bedeutung wohl intuitiv richtig verstanden, denn für sie klang das alles nach furchtbar viel Stress;-)

Der Tag beginnt für mich bereits um 4:00, wenn das Muschelhorn geblasen wird zur stillen Meditation am Dhuni (das ist eine heilige Feuerstelle). Um 4:30 folgt das „Vedic chanting am Dhuni“ – es werden also Mantren gesungen noch vor dem Sonnenaufgang – und dann beginnt die erste Yogasession, von denen über den Tag hinweg noch einige folgen werden.

Jeden Morgen, wenn ich gerade hier in Hamburg meine Matte ausrolle denke ich momentan daran, dass ich dies bald in aller Frühe in der morgendlichen Wärme Indiens, in der Nähe des Ganges machen werde – und wieder kribbelt und grinst es innerlich.....

Zehn Tage wird dies also mein Tagesablauf sein – für mich bedeutet es keineswegs Stress, sondern das genaue Gegenteil. Ich liebe es früh aufzustehen und den Tag in seiner Unberührtheit zu genießen, den Aufgang der Sonne zu erleben – fürchterlich viel Yoga zu machen, zu meditieren, umliegende Orte anzusehen, und köstliches ayurvedisches Essen genießen sowieso.

Nach diesen Ashram-Tagen werde ich mich treiben lassen – mit überfüllten Zügen fahren,  Händler aufsuchen, Silbermanufakturen, in denen auf faire Art und Weise produziert wird, Handwerkskunst bewundern, wie es sie nirgendwo sonst in dieser wunderbaren Art gibt, Tempel besuchen, Menschen beobachten, Chai trinken.

Und ich werde mir schon das nächste Ziel suchen, auf das es sich zu freuen lohnt. Denn wie sehr Vorfreude den Alltag aufhellen kann wurde mir jetzt wieder sehr eindeutig bewusst. Auch wenn sie das Leben im Hier und Jetzt nicht in den Hintergrund rücken soll, so kann sie dennoch zum ganz großem Lichtblick  werden, wenn die Tage zu kalt, zu nass, die Menschen um einen herum zu krank, zu angespannt, zu unglücklich sind.  Und letztlich kann sie sogar dabei helfen, das Kribbeln im Bauch auch im gegenwärtigen Moment hier im Alltag wieder öfter zu spüren. 

Wie sagt doch ein Sprichwort: „Nimm dir die Füße für die Ferne und das Herz für das, was nahe ist.“

In diesem Sinne: genießt die tanzenden Schneeflocken und die klirrende Kälte da draußen – ein herrlicher Tag, der so niemals wiederkommt!!!

 

Namasté