Kundalini

Für ein paar Dinge in meinem Leben bin ich unglaublich dankbar. Dazu zählt ganz weit vorn die Begegnung mit Kundalini Yoga. Gut zwanzig Jahre ist es her, dass ich – frisch nach Hamburg gezogen, und sehr unter Druck mit meiner Diplomarbeit – einen Arzt aufsuchte, der mir dringend riet etwas für meine brach liegenden Nerven zu tun: Yoga zum Beispiel. 

 

Vor so langer Zeit waren die Yogakurse selbst in Hamburg noch einigermaßen rar zu finden, aber das Schicksal meinte es überaus gut mit mir und führte mich direkt zu dem Lehrer, der mich bis heute durch mein Yogaleben begleiten sollte. Und zu Kundalini!

 

Heute besteht für mich kein Zweifel daran, dass es ganz anders hätte laufen können, denn gerade Yoga steht und fällt mit dem richtigen Lehrer – und erst Recht Kundalini Yoga. In all den Jahren habe ich einige Stunden erlebt, aus denen ich sehr unbefriedigt gegangen bin, weil die Messlatte für mich durch meinen Lehrer von Anfang an hoch hing und der zündende Funke einfach nicht übergesprungen ist. Hätte ich solche Stunden als erstes in meinem Yogadasein erlebt wäre ich den Yoga-Weg vielleicht gar nicht weiter gegangen. Wie schrecklich! Neben einem guten Körpergefühl war es nämlich noch viel mehr, was ich aus „meinen“ Stunden mit nach Hause nehmen konnte.  So habe ich Yoga nie als „Sport“ angesehen, sondern als spirituellen Lebensweg, der sehr viel mehr beinhaltet als Asanas. 

 

Im Laufe der Zeit habe ich viele Yoga-Bücher gelesen, mich hier und da mit yogischer Ernährung, Chakren, Meditationen, Sanskrit und Gurmukhi, allen möglichen Yoga-„Gurus“, Indien und verschiedenen Yogaformen beschäftigt.  Die Yogalehrer-Ausbildung, die ich ganz zu Anfang meiner Yoga-Zeit unbedingt machen wollte, habe ich bis heute nie absolviert. Damals waren die Ausbildungsmöglichkeiten noch sehr begrenzt – und hätten sich nicht gut mit meinem damaligen Leben vereinbaren lassen. Aber auch das empfinde ich heute als gut und richtig, denn nun weiß ich, dass ich all die Erfahrung, die ich inzwischen gesammelt habe, brauchte um „meinen“ Yoga-Weg zu finden, der ein ganz Eigener ist.

 

Dieses Jahr war – obwohl es zum Glück bei weitem noch nicht vorbei ist! - hierfür ein ganz besonders Wichtiges! Neben meiner glücklichen Zeit im Ashram in Haridwar/Indien (ich habe berichtet;-)) durfte ich jetzt gerade fünf weitere glückliche Tage auf dem deutschen Kundalini Yoga Festival im beschaulichen Oberlethe bei Oldenburg verbringen. Was für eine Bereicherung!!!

 

Bei glühender Hitze kam ich auf dem Festivalgelände an: einem ehemaligen Pferdehof, in malerischer Landschaft, der seit einigen Jahren zu einem spirituellen Ort und Treffpunkt wurde. Auf saftigen Wiesen, unter üppigen Bäumen, im lauschigen Reetdach-Häuschen am Seerosenteich – überall tummelten sich weiße Gewänder und Turbane, erklangen Mantren, wurde meditiert, diskutiert, gelacht. Die Energie war von Anfang an sehr familiär und besonders – und sollte mit den Tagen immer wundervoller werden.

 

Das Sadhana begann um vier Uhr morgens. Geweckt wurden wir hierzu von einem „Live-Wakeup-Call“: einem Trüppchen, das singend und Gitarre-spielend um die Zelte zog – und einen schon zu so früher Morgenstunde das erste Lächeln ins Gesicht zauberte. 

 

Dass das Morgen-Yoga in der großen Yogi Bhajan Halle zusammen mit ca. 350 Yogis ganz besonders energetisch war brauche ich sicherlich gar nicht zu erwähnen. Den krönenden Abschluss des Morgens bildete das Sadhana in der Gurdwara – der hübsch geschmückten Gebets- und Schulstätte der Sikhs. 

 

An den Nachmittagen gab es zahlreiche, spannende Seminare rund um Kundalini Yoga und das Yogische Leben – die Auswahl reichte vom therapeutischen Yoga, über das Finden der eigenen Singstimme, die korrekte Haltung bei den Asanas bis zum „Breathwalk“ im Freien und fiel alles andere als leicht.

 

Für mich persönlich ein besonderes Highlight waren aber vor allem die wunderbaren Mantra-Sängerinnen und Sänger des Festivals! Nicht zuletzt wegen des häufigen „Chantens“ (dem Mantra-Singen) liebe ich Kundalini. In keiner anderen Yogaform wird so viel gesungen wie hier. Aber nie zuvor habe ich so viele großartige Stimmen auf einmal gehört. Von überall her kamen sie – aber manche klangen, als kämen sie von einem vollkommen anderen Stern. Allen voran ein „Engel aus Island“ – dessen Stimme derart unter die Haut fuhr, dass kein Auge trocken blieb und die Mantren noch einmal so tief im Herzen erklingen ließ, dass ich es sicherlich nie wieder vergessen werde. Danke dafür!!!!

 

Und danke natürlich an den allgegenwärtigen Yogi Bhajan, der das Kundalini Yoga überhaupt in den Westen gebracht hat. 1968 traf Yogi Bhajan einige junge Hippies, welche ihr höheres Bewusstsein und ihre spirituellen Erfahrungen durch Drogen finden wollten. Er zeigte ihnen, dass sie das Gesuchte viel besser durch das Praktizieren von Kundalini Yoga finden– und gleichzeitig ihr Nervensystem aufbauen konnten.  So bot er ihnen mit den yogischen Wissenschaften von Yoga, Meditation, der Yogaphilosophie und liebevoller Akzeptanz eine wirksame Lebensalternative – und legte den Grundstein für eine gigantische Yogawelle, die bis heute wächst und wächst.

 

Kein Wunder, wie ich finde, denn die optimistische, positive Wirkung von Kundalini ist durch und durch spürbar. Wie ehrlich und fröhlich sie tief aus dem Herzen der Praktizierenden strahlt war auf diesem Festival nicht zu übersehen und -fühlen!

 

 

In diesem Sinne: WHERE THERE IS LOVE THERE IS NO QUESTION (Yogi Bhajan)

Sat nam.