Verkehrte Welt

Seit zwei Wochen plagt mich eine dicke Erkältung, von der ich immer wieder glaube sie überwunden zu haben, aber Pustekuchen.

 

Ich will mich also am liebsten in kuscheligen Socken aufs Sofa packen, mit den Kindern einen netten Film ansehen, als zum Yoga zu gehen oder Weihnachtsmärkte zu besuchen. Statt Asanas zu praktizieren setze ich mich derzeit also öfter mal aufs Meditationskissen oder ans Harmonium, um ein paar Mantren mit sopraner Erkältungsstimme zu trällern. Aber das finde ich eigentlich gar nicht so schlimm. Ist es eben so.

 

Schwieriger ist allerding, dass ich mich volles Programm in die Sommerkollektion 2019 stürzen muss, da gleich im neuen Jahr die Messezeit beginnt. Oh je – ich stelle mir also vor irgendwo barfuß am Strand entlang zu gehen, obwohl der Gedanke an nackte Füße alles andere ist als das wonach es mich gerade sehnt. Ich träume mich in ferne Länder, auf andere Kontinente, in andere Klimazonen, mit luftigen Sommerkleidchen, fremden Sprachen und Kokosnüssen mit Strohhalm. Und dabei merke ich, dass ich das eigentlich gerade gar nicht will. 

 

Ok, auf meine Erkältung könnte ich getrost verzichten, aber ansonsten liebe ich die vorweihnachtliche Zeit eigentlich sehr bei uns hier und will ihr gar nicht entfliehen. Was mir in diesem Winter aber auch ganz besonders auffällt: nach einem echten Sommer, wie dem Diesjährigen, ist man mal wieder so richtig satt!! Sommersatt!! Ich glaube, seit meiner Kindheit ganz im Süden Deutschlands konnte ich das nicht mehr fühlen und behaupten.

 

Nach dieser langen Hitze habe ich mich noch viel mehr gefreut auf die herbstliche Zeit und selbst richtig fiese, vollkommen verregnete Tage waren nach der langen Dürrezeit tatsächlich herzlich willkommen.  Endlich konnte man es sich wieder zuhause gemütlich machen oder richtig lange arbeiten, ohne dass es einen raus ins Freie zog.

 

Nun merke ich, dass ich beinahe ein wenig Torschlusspanik bekomme: die Tage rennen bis zum Jahresende und ich komme gar nicht hinterher. Viel zu viele Freunde, die man noch einmal auf dem Weihnachtsmarkt treffen will, der Winter war noch gar nicht spürbar, der Schnee lässt noch auf sich warten, der Jahreswechsel kommt viel zu früh.

Für mich jedenfalls. 

 

Und dann soll ich mich auch noch vollkommen aus diesem Winteranfang herausträumen und in Gedanken Sommer spielen!!! Warum fällt mir das in diesem Jahr so schwer? Warum will ich gerade so gerne da bleiben wo ich bin?

 

Bereits vor einigen Wochen habe ich die Anhänger für die neue Sommerkollektion entworfen, genauso wie die Edelsteinketten, die unser netter Kooperationspartner in der heiligen Stadt Haridwar im Norden Indiens jetzt knüpft. All das trudelt nun gerade im regnerischen Hamburg ein und soll sich zu einer fröhlich-bunten Kollektion entwickeln. 

 

Keine Sorge - ich weiß ganz sicher, das wird es auch. Aber in diesem Jahr drängt es mich nicht all die ozeanblauen und –türkisen Steine um mein Handgelenk zu wickeln und sie endlich im Sonnenlicht zu sehen. Ich hänge viel mehr an schimmerndem Tigerauge, an rauchigem Quarz oder an warmen Currytönen. 

 

Wer weiß, vielleicht wird es ja eine Mischung aus sommerlich-fröhlichen Farben und erdig-gedeckten Tönen. Oder es packt mich doch noch, wenn ich aus meiner Erkältungsstarre erwache, und ich vergesse das hier und jetzt und alles rund um mich herum und lasse es kurz vor Weihnachten ausschließlich Hochsommer werden in unserem Atelier. 

 

Wie es auch kommen mag – so traumhaft schön, wie die ersten Anhänger und Ketten bereits aussehen werden wir euch am Ende nicht enttäuschen und natürlich wieder einen ganz wunderbaren, echten Sommer genießen.

 

Versprochen!